ChatGPT hat meine am 2. August veröffentlichte deutsche Version besser formuliert und für Leser zugänglicher gemacht. Voilà:
Diesen Text habe ich zum ersten Mal am 22. Dezember 2008 auf meinem damaligen Schreibstuben-Blog veröffentlicht, den es heute nicht mehr gibt. Seither habe ich die darin enthaltenen Gedanken immer wieder überdacht und weiterentwickelt.
Die Idee, zwischen primären und sekundären Gesetzen zu unterscheiden, beschäftigt mich seit Jahrzehnten.
Eine Voraussetzung für ihre Verwirklichung wäre meines Erachtens ein bedingungsloses Grundeinkommen für jeden Menschen auf diesem Planeten – ohne Ausnahme. Es würde dazu beitragen, wirtschaftliche Abhängigkeiten zwischen Menschen zu verringern, insbesondere die Abhängigkeit Schwächerer von Stärkeren.
Stellen wir uns vor, die bestehende Rechtsordnung wäre vollständig zusammengebrochen – vielleicht infolge eines Zusammenbruchs des Finanzsystems und der darauf aufbauenden gesellschaftlichen Strukturen.
Welchen neuen Vertrag könnten die Menschen dann miteinander schließen?
Der folgende Text ist ein Vorschlag. Kein fertiges System, sondern ein Ausgangspunkt zum Weiterdenken.
I. Für wen gelten die Primärgesetze?
1. Es geht nicht um die Errichtung einer Weltregierung.
Es geht um einen Vertrag der Menschheit mit sich selbst und mit dem übrigen Leben.
Die primären Gesetze sollen in erster Linie jene schützen, die von den Folgen unseres noch immer unreifen Handelns betroffen sein können:
a) jeden einzelnen Menschen – Mann, Frau oder Kind;
b) die Menschheit als Ganzes einschließlich des Ökosystems;
c) mögliches außerirdisches Leben – also Leben, das nicht von diesem Planeten stammt;
d) die Zukunft beziehungsweise das uns noch Unbekannte, denn manche Folgen unseres heutigen Handelns werden möglicherweise erst sehr viel später erkennbar.
2. Alle anderen von Menschen geschaffenen Gruppen und Strukturen – siehe Teil II – genießen einen sekundären Schutz.
3. Besondere Aufmerksamkeit gilt Menschen, die durch bisherige hierarchische oder wirtschaftliche Strukturen benachteiligt wurden.
4. Jeder Mensch besitzt die gleichen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Rechte und Pflichten – unabhängig davon, welche Stellung er früher innerhalb einer Gesellschaft innehatte.
II. Für wen gelten die Sekundärgesetze?
Sekundärgesetze betreffen alle Zusammenschlüsse von Menschen, die sich öffentlich als Gruppe definieren und als solche rechtlich anerkennen lassen wollen.
5. Dazu gehören alle bereits bestehenden menschlichen Gemeinschaften und rechtlichen Organisationen – von den größten bis zu den kleinsten.
6. Sobald sich eine Gruppe bildet – bereits ab zwei Personen –, kann sie sich als solche anerkennen lassen.
Innerhalb dieser Gruppe darf sie sich eigene Regeln geben, sofern alle Beteiligten damit einverstanden sind.
Diese Regeln können jederzeit verändert werden. Sie müssen jedoch immer mindestens den grundlegenden Menschenrechten entsprechen, die in einer neuen Gesellschaft möglicherweise ebenfalls neu formuliert und präzisiert werden müssten.
So könnte beispielsweise auch eine Ehe oder Lebensgemeinschaft zwischen mehr als zwei Menschen rechtlich anerkannt werden, sofern alle Beteiligten gleichberechtigt sind, freiwillig zustimmen und ihre grundlegenden Menschenrechte gewahrt bleiben.
7. Jeder Mensch – auch ein Kind – muss grundsätzlich das Recht haben, eine Gruppe zu verlassen. Das individuelle Menschenrecht steht über dem Recht der Gruppe.
8. Ob eine Gruppe neue Mitglieder aufnehmen möchte, entscheidet sie selbst.
9. Niemand ist verpflichtet, überhaupt einer Gruppe anzugehören. Auch ein Mensch ohne Gruppenzugehörigkeit besitzt selbstverständlich sämtliche Primärrechte.
10. Bei Straftaten, unabhängig davon, ob sie von Einzelpersonen oder Gruppen begangen werden, gilt folgende Rangordnung:
das Strafrecht;
die Primärrechte der betroffenen Menschen;
die Sekundärgesetze der jeweiligen Gruppen.
Besondere Aufmerksamkeit muss Konflikten, Unrecht und Missbrauch gelten, die Kinder und andere verletzliche Menschen betreffen – auch dann, wenn problematisches Verhalten von Kindern oder Jugendlichen selbst ausgeht.
Warum überhaupt Primär- und Sekundärgesetze?
Der wesentliche Grund für diese Unterscheidung liegt darin, dass heute juristische Personen – Unternehmen, Institutionen und andere Organisationen – gegenüber wirklichen Menschen eine enorme Macht entwickeln können.
Davon profitieren insbesondere korrupte oder übermäßig mächtige Strukturen.
Das muss sich ändern.
Wenn Gruppen ihre eigenen Regeln festlegen dürfen, können sie selbst bestimmen, wie sie intern leben wollen: demokratisch, hierarchisch, religiös oder nach einem völlig anderen Modell.
Entscheidend ist jedoch:
Diese Regeln gelten nur innerhalb der jeweiligen Gruppe und nur so lange, wie die grundlegenden Rechte jedes einzelnen Menschen gewahrt bleiben.
Wenn jemand die Regeln einer Gruppe nicht mehr akzeptieren möchte, muss dieser Mensch die Möglichkeit haben, die Gruppe zu verlassen.
Und umgekehrt muss eine Gemeinschaft die Integrität besitzen, jeden Menschen gehen zu lassen, der nicht länger zu ihr gehören möchte.
Genau dafür ist die Unterscheidung zwischen Primär- und Sekundärgesetzen gedacht:
Das Recht des einzelnen Menschen steht immer über dem Recht der Gruppe.
Frauen und Kinder dürfen nicht gegen ihren Willen innerhalb einer Gemeinschaft festgehalten werden.
Das setzt allerdings auch voraus, dass eine Gesellschaft Menschen, die ihre bisherige Gemeinschaft verlassen, menschenwürdig aufnimmt und ihnen ermöglicht, selbstständig zu leben.
Gerade daran fehlt es bis heute häufig.
Der Konflikt zwischen Clan, Familie, Gemeinschaft und Einzelmensch betrifft weltweit sehr viele Menschen und in besonderem Maße Frauen.
Für mich ist dies eine der entscheidenden Fragen für die weitere Entwicklung der Menschheit.
Ich weiß, wie schwer es für ein Mädchen oder eine junge Frau sein kann, einen Clan oder eine streng geschlossene Gemeinschaft zu verlassen. Es kann bedeuten, ausgestoßen zu werden und vielleicht die eigene Familie nie wiederzusehen.
Es bedeutet zugleich, etwas Neues und Unbekanntes wagen zu müssen.
Doch wenn viele junge Frauen eine Gemeinschaft verlassen, weil sie nicht akzeptieren wollen, wie sie dort behandelt werden, kann auch diese Gemeinschaft lernen und sich verändern.
Ich bin überzeugt, dass wir Menschen – gerade in Krisenzeiten – wesentlich mehr zutrauen können, als wir es heute gewöhnlich tun.
III. Regierungen, Institutionen und öffentliche Verwaltung:
Was die politische Organisation betrifft, würde ich mich teilweise am schweizerischen System orientieren, in dem die Bevölkerung durch direkte demokratische Instrumente weitreichende Möglichkeiten der Mitbestimmung besitzt.
Ich gebe allerdings zu: Gerade an diesem Punkt hat meine eher anarchistisch-linke Denkweise ihre größten Schwierigkeiten.
Öffentliche Ämter und Institutionen kann ich akzeptieren, solange sie nicht zu eigenständigen Machtzentren werden, sondern tatsächlich der Verwaltung des Gemeinsamen dienen – nach klaren Regeln, die von der Bevölkerung akzeptiert worden sind.
Dabei müssen wir auch bereit sein, aus den Versuchen und Irrtümern der Vergangenheit zu lernen.
Wie viel Selbstverantwortung trauen wir uns zu?
Wie viel Verantwortung sind wir bereit, gemeinsam zu tragen?
Und wie können wir uns an grundlegende Veränderungen herantasten, ohne sofort wieder neue starre Machtstrukturen zu errichten?
Solche Fragen lassen sich vermutlich nicht vollständig am Schreibtisch beantworten. Vieles wird erst in der konkreten Situation entschieden werden können.
Mit dem traditionellen Begriff von „Regierung“ habe ich größere Schwierigkeiten.
Ich fürchte, dass wir Menschen einerseits noch nicht reif genug und andererseits noch zu sehr von Macht fasziniert sind, um uns ohne Weiteres vernünftig selbst zu organisieren.
Eine einfache Rückkehr zu traditionellen Clanstrukturen wäre ebenfalls keine Lösung. Auch diese sind häufig hierarchisch und patriarchalisch und können neue Konflikte zwischen Gruppen erzeugen.
Deshalb lautet für mich eine der wichtigsten Schlussfolgerungen:
WIR BRAUCHEN EIN SYSTEM, DAS ES BISHER NOCH NICHT GIBT.
IV. Wie könnte man beginnen?
11. Wir könnten über das Internet weltweite Abstimmungen oder Befragungen organisieren, bei denen allen Menschen einige wenige grundlegende Schlüsselfragen gestellt werden.
Vermutlich existieren bereits verschiedene Projekte, die in diese Richtung arbeiten.
Doch wir müssen nicht auf einen Zusammenbruch warten.
Wir können – und sollten – bereits heute beginnen, gesündere gesellschaftliche Strukturen einzuüben. Sollte das bestehende System eines Tages in eine schwere Krise geraten, hätten wir dann wenigstens schon Erfahrungen mit anderen Formen der Zusammenarbeit gesammelt.
Es werden sich Gruppen mit unterschiedlichen Wertvorstellungen bilden. Der Versuch, alle Menschen nach einem einzigen festgelegten Modell gleich leben zu lassen, ist meines Erachtens eine Verschwendung von Zeit und Kraft.
Diese unterschiedlichen Gruppen – ebenso wie Menschen, die überhaupt keiner Gruppe angehören möchten – könnten eines Tages die Gesprächspartner sein, die gemeinsam einen neuen gesellschaftlichen Vertrag entwerfen.
Jede Gruppe muss ihre eigenen Wertvorstellungen leben dürfen, solange die grundlegenden Rechte des einzelnen Menschen unangetastet bleiben.
Unterschiedliche Gemeinschaften müssen dabei keineswegs zwingend geografisch voneinander getrennt leben.
Viele Völker und Gemeinschaften erleben heute Grenzen und Trennungen, die ihnen von außen aufgezwungen wurden, oder leiden unter tiefen inneren Spaltungen.
Ein Teil der Lösung könnte darin bestehen, die Existenz unterschiedlicher Wertegemeinschaften überhaupt erst anzuerkennen und nach Wegen zu suchen, wie diese miteinander oder nebeneinander leben können, ohne sich gegenseitig wirtschaftlich, politisch oder kulturell zu beherrschen.
Auch territoriale Konflikte müssten auf dieser Grundlage neu verhandelt werden.
Eine Grenze ist jedoch eindeutig:
Körperliche Gewalt, Freiheitsentzug oder Unterdrückung eines Menschen wegen seiner Überzeugungen, seines Geschlechts, seiner Religion oder seiner gesellschaftlichen Zugehörigkeit verletzen die Primärrechte des Menschen und müssen entsprechend behandelt werden.
Auch Gemeinschaften, die bisher pauschal als „Sekten“ verurteilt wurden, müssen respektiert werden, sofern sie die grundlegenden Menschenrechte ihrer Mitglieder und anderer Menschen achten.
Gleichzeitig darf die Aufstachelung zu Hass gegen unerwünschte oder minderheitliche Gruppen nicht akzeptiert werden.
Und deshalb noch einmal der wichtigste Grundsatz:
KEIN MENSCH IST VERPFLICHTET, EINER RELIGIÖSEN, SOZIALEN, FAMILIÄREN ODER WIRTSCHAFTLICHEN GRUPPE ANZUGEHÖREN, WENN ER DIES NICHT WILL.
Dieser Grundsatz gilt auch innerhalb von Familien.
Keine Zugehörigkeit – weder zu einer Religion noch zu einem Staat, einer Familie, einem Clan, einer Organisation oder einer wirtschaftlichen Gemeinschaft – darf die grundlegenden Rechte des einzelnen Menschen außer Kraft setzen.
Das wäre für mich der Ausgangspunkt:
Zuerst der Mensch. Dann die Gruppe. Und über beidem die Verantwortung gegenüber dem Leben und der Zukunft.
ChatGPT ajoute:
J’ai ajouté sVorschlag: Primär- und Sekundärgesetze der Menschheiturtout une vraie entrée et une vraie conclusion, qui manquaient un peu à l’ancien texte. La dernière formule — „Zuerst der Mensch. Dann die Gruppe…“ — me semble condenser assez bien toute votre idée et donne au lecteur quelque chose à retenir.
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